Frühchen Bodies - Was man beachten muss und warum sie so schwer zu finden sind.

Gastbeitrag von Laura Karasek

Author: Laura Karasek, 18.10.2017

Etwa 60.000 Babys kommen allein in Deutschland jedes Jahr vor der abgeschlossenen 37. Schwangerschaftswoche auf die Welt und gelten damit als Frühgeborene. Rund 8.000 Babies werden sogar noch vor der 30. Schwangerschaftswoche geboren und oft wiegen sie weniger als 1.000 Gramm. Die Chancen, diesen verfrühten Start ins Leben zu überleben, stehen heute besser denn je. Gottseidank! Und dennoch ist und bleibt eine Frühgeburt eine unvergleichliche Herausforderung nicht nur für das Baby selbst, sondern auch für Eltern und Familie.

"Man muss tapfer sein und stark"

Ich habe vor gut zwei Jahren selbst Zwillings-Frühchen bekommen. Was man auf der Frühchenstation sieht und erlebt, wird man nie mehr vergessen. Es bricht einem das Herz, die hilflosen kleinen Menschen mit lauter Kabeln und Nadeln und Schläuchen in der weichen, noch unberührten Haut zu sehen. Man muss tapfer sein und stark.

„Man ist unvorbereitet, überfordert“

Aber die Zeit war nicht nur sorgenvoll, sie war auch sonst sehr intensiv. Man wird endlich Mutter und empfindet so viel mehr, als man je empfunden hat. Man ist unvorbereitet, überfordert. Wer das nicht selbst erlebt hat, wird sich nur schwer vorstellen können, wie viel man fühlt und wie wenig man schläft, weil man einfach so viel zu tun und an so viel zu denken hat. Auch ich habe unterschätzt, wie viel Zeit und Zuwendung diese zwei kleinen Würmchen benötigen. Es war anstrengend und gleichzeitig ergreifend, überwältigend. Das alles kam so schnell: In der Schwangerschaft glaubte ich schließlich, ich hätte noch ein bisschen mehr Zeit, alles vorzubereiten… 

"Viel Alltägliches wird einem gar nicht so leicht gemacht."

Neben dem emotionalen Kampf wird einem viel Alltägliches auch gar nicht so leicht gemacht. Dazu gehört auch, geeignete Frühchenbodies zu finden. Habt ihr mal versucht bei DM oder bei Baby Walz Bodies in Frühchengrößen zu bekommen? Selbst bei den großen Onlineportalen ist es schwer, die richtigen Bodies zu finden. Und wenn man welche findet, dann sind sie meist nicht wirklich auf die besonderen Bedürfnisse der kleinen Winzlinge abgestimmt. Sollten Produzenten und Händler, die für sich in Anspruch nehmen, mit ihrem Angebot Eltern mit dem zu versorgen, was sie für Ihre Babys brauchen, nicht ganz besonders viel Wert darauf legen, auch für Frühchen das richtige Angebot zu haben? Die Realität sieht leider anders aus und inzwischen ist mir auch klar, warum das so ist: Die oben genannten Zahlen (Frühgeburten pro Jahr) sind zwar absolut gesehen hoch, aber viele Produzenten sagen sich: „Die Qualitätsanforderungen für Frühchenbodies sind hoch, das Volumen ist gering. Das Geschäft lohnt sich nicht.“

"Die Haut ist bei Babys fünfmal dünner als bei Erwachsenen"

„Die Qualitätsanforderungen sind hoch.“ Das stimmt. Schon bei Neugeborenen, die ganz normal in der 40. Schwangerschaftswoche geboren werden, ist die Haut ca. fünfmal dünner als bei Erwachsenen. Die Babyhaut nimmt daher mit ihr in Berührung kommende Wirkstoffe schneller auf und reagiert besonders reizempfindlich. Die Hornschicht baut sich erst mit der Zeit und durch die Wechselwirkung mit der Umwelt auf und bietet so allmählich zunehmenden Schutz vor äußeren Einflüssen. Auch der Säureschutzmantel und die Barrierefunktion der Haut müssen sich erst noch entwickeln. Und da die Schweißdrüsen noch nicht vollständig ausgebildet sind, hat der kleine Körper Mühe, seinen Wärmehaushalt selbstständig zu regulieren. Nach der Geburt brauchen Babys deshalb eine wärmende, schützende Hülle. Bei Frühchen gilt all dies umso mehr.

"Gute Frühchenbodies wären eine super Gelegenheit gewesen, mich als treue Kundin zu gewinnen"

„Das Volumen ist zu gering. Das Geschäft lohnt sich nicht.“ Das scheint mir auch rein geschäftlich gesehen etwas zu kurz gedacht, denn gute Frühchenbodies wären doch eine super Gelegenheit gewesen, mich als treue Kundin zu gewinnen. Wenn man Babybodies herstellt und für sich in Anspruch nimmt, mit seinem Angebot den Elternalltag von einem Problem („wir brauchen schon wieder neue Baby Bodies“) zu befreien, dann ist es doch eine Selbstverständlichkeit, dass man auch für diejenigen etwas anbietet, die ohnehin schon mit genug anderen Problemen zu kämpfen haben (Frühcheneltern!). Deswegen freut es mich, dass mein alter Freund Conradin, der sich mit einem Startup für Babybodies (Tom&Jenny) selbstständig gemacht hat, das anders sieht und umsetzt und seine Bodies auch in Frühchengröße (46) anbietet. Diese sind auch selbstverständlich nicht teurer als die anderen Bodies, die er anbietet, auch wenn der Kratzschutz, das Wickeldesign, die weiche Biobaumwolle, die nickelfreien Knöpfe, die hautschonenden Flachnähte, usw. die Bodies in der Produktion deutlich teurer machen.

Für noch kleinere Größen, die im Inkubator getragen werden können, bestehen noch ganz andere Anforderungen, die Tom&Jenny als junges Unternehmen überfordert hätten. Meistens wird man in dieser Zeit aber auch noch direkt vom Krankenaus versorgt. Falls ihr dennoch noch kleinere Bodies für Euch selbst oder eine Frühchenstation sucht, dann schaut doch mal unter dem folgenden Link nach. Conceptnatal bietet sehr durchdachte Bodies und lichtdurchlässige Alternativen zu Bodies für die Verwendung im Inkubator an. Die sind wärmstens zu empfehlen.

Wenn ihr es bis hierher geschafft habt und ein paar Tom&Jenny Babybodies bestellen oder verschenken wollt, dann klickt einfach hier.

 

Laura Karasek ist Rechtsanwältin, Zwillingsmutter, Stern-Kolumnistin, Autorin und Radiomoderatorin.

Zu lesen und zu hören hier:

www.antenne-frankfurt.de/4-ohren.html

http://www.bild.de/lifestyle/kultur/kultur/kolumne-buchmesse-kultur-4-53524324.bild.html

http://www.stern.de/wirtschaft/job/laura-karasek/