6 Vorsätze die wir uns als junge Eltern gemacht haben – und wie wir sie alle gebrochen haben

Author: Vanessa, 31, 30.01.2018

Das Jahr 2017 ist vorbei und mit dem Beginn des neuen Jahres haben sich viele von uns gute Vorsätze gemacht. Wir haben uns im Fitnessstudio angemeldet, wollten keine Süßigkeiten mehr kaufen, für ein paar Wochen weniger Alkohol trinken oder versuchen das Rauchen aufzugeben.

Richtig gute Vorsätze hatten wir auch gefasst, ehe wir zum ersten Mal Eltern wurden.

Als ich zum ersten Mal schwanger wurde, hatte ich genaue Vorstellungen davon, wie ich als Mutter so sein wollte. Oh, mein Mann und ich wussten ganz genau, wie wir den Alltag mit den Kindern meistern und sie erziehen wollten!

Jetzt, fast drei Jahre später, möchte ich euch von unseren Vorsätzen erzählen und davon, wie wir sie gebrochen haben.

Das waren unsere Vorsätze.

Vorsatz Nr. 1: „Wir werden ganz entspannte Eltern!“

Natürlich. Wir wollten wie die Eltern sein, die alle cool finden. Wie die, die ihre Kinder immer im Griff haben, die nie die Nerven verlieren, die immer entspannt wirken und dabei auch noch unheimlich gut und lässig aussehen.

Ich mache es kurz: So wurden wir nicht.

Mein Mann machte sich Sorgen darüber, ob unser Baby von seinem häufigen Schluckauf Schaden nehmen könnte. Ich stand nachts mehrere Male auf um nachzusehen, ob es unserem Baby auch gut ginge und ob ihm vielleicht zu warm oder zu kalt sei. Zwei Mal stand ich auch bei unserer Kinderärztin in der Praxis wegen einer abklingenden Erkältung, die ich fälschlicherweise für Pseudokrupp hielt.

Ich kam zu dem Schluss, dass ich wohl eher eine nervöse Mutter sein musste.

Die komplette Verantwortung für ein Menschenleben zu übernehmen ist eine Aufgabe, die wir nicht auf die leichte Schulter nahmen. In den ersten Wochen beobachtete ich oft mein schlafendes Baby und fragte mich seufzend, wie ich es denn heile durch die Kindheit bringen würde.

Durch die komplette Kindheit habe ich mein Kind zwar noch nicht gebracht, aber immerhin kommt es bald in den Kindergarten. Voller Stolz können wir verkünden, dass alle Arme und Beine noch dran sind.

Neulich sagte eine Bekannte in einem Nebensatz zu mir: „Ihr? Ihr seid doch eh so herrlich entspannte Eltern…“

Da war ich ein bisschen verwundert und auch ein bisschen stolz. Vielleicht muss man erst in die Rolle hineinwachsen. Und vielleicht sind wir auch manchmal das, was man als „ganz entspannte Eltern“ bezeichnen könnte, und manchmal auch nicht. - Und das ist auch gut so.

Vorsatz Nr. 2: Unsere Kinder schlafen nicht im Elternbett.

Bei diesem Thema scheiden sich bekanntlich die Geister. Für die einen gehört der Nachwuchs selbstverständlich mit ins „Familienbett“, für uns stand fest: Unser Baby sollte immer und ausschließlich im eigenen Bett schlafen.

Dieser Vorsatz hielt ungefähr für ein paar Monate, bis das Baby dann regelmäßig in den frühen Morgenstunden wach wurde und keine Lust mehr auf sein Bettchen hatte.

Es blieb dort einfach wach. Es fand vor allem großen Gefallen daran, den Schnuller gegen die Gitterstäbe zu knallen, was uns senkrecht im Bett stehen ließ.

Nur eine Sache funktionierte immer und zuverlässig: Ihn zwischen uns zu legen. Dann schmatzte er zufrieden und schlief sofort und schlief und schlief. Am nächsten Morgen erwachten wir beinahe so entspannt wie die coolen Eltern, die unser Vorbild bei Punkt 1 waren.

An einem Vorsatz hielten wir allerdings fest: Abends gehen unsere beiden Kinder immer erst einmal in ihr eigenes Bett. Wenn sie nachts aufwachen und nach uns weinen, dürfen sie zu uns kommen.

Und was soll ich sagen? Wir finden es herrlich, so wie es ist.

Vorsatz 3: Ich werde nicht die angesabberte Bretzel meiner Kinder aufessen.

Vielen Nicht-Eltern läuft es kalt den Rücken herunter, wenn sie sehen, wie sich Eltern die eingespeichelten Kekse und Brotstücke ihrer Kinder ohne mit der Wimper zu zucken in den Mund schieben. Igitt.

So ging es mir damals auch. (Meinem Mann geht es übrigens bis heute so.)

Tja. Reden wir nicht drum herum: Es macht mir nichts mehr aus. Außerdem habe ich eh meistens Hunger. Und es ist eine unheimlich praktische, umweltfreundliche Entsorgungsmethode, wenn das Kind in der U-Bahn, im Auto oder an anderen Orten, an dem der Mülleimer nicht gerade neben einem steht, einem mit angewiderter Miene seinen Keksrest entgegenstreckt.

 

 

Vorsatz 4: Wir werden verhindern, dass unsere Kinder Regale ausräumen und die Wohnung in ein Chaos verwandelt.

Sobald Babys sitzen können, fangen sie an sich für die Schränke und Schubladen in der Wohnung zu interessieren. Und scheinbar nichts (!) bereitet ihnen mehr Freude als diese fröhlich auszuräumen. Das Einräumen vergessen sie leider fast immer. Wir haben versucht es zu verhindern. Wir haben Schrankschlösser angebracht, Nein gesagt, geschimpft oder das Kind beim ersten Ansetzen einfach woanders hingesetzt. Fehlanzeige. Irgendwann haben wir den Kompromiss geschlossen, dass das Baby einzelne Schubladen ausräumen darf. Gut geeignet sind dafür Schränke, in denen Tupperboxen aufbewahrt werden.

Inzwischen haben unsere zwei Kinder (13 und 33 Monate alt) das Produzieren von Chaos so gut drauf, dass sie nur noch wenige Minuten brauchen, zum Beispiel während ich mal kurz dusche, um das Kinderzimmer in ein Schlachtfeld zu verwandeln. Mary Poppins hätte bei uns schon längst das Handtuch geworfen. Spätestens am Abend räumen wir zusammen mit den Kindern (naja, wie halt Kinder in dem Alter so aufräumen) wieder auf.

Doch trotzdem finden wir, nachdem die Kinder ins Bett gegangen sind, einen Zoo unter unserem Bett oder einParkhaus auf der Fensterbank im Wohnzimmer. Da hat man wohl die Wahl: Entweder man nimmt sich die Zeit, alles andauernd aufzuräumen oder man lebt einfach damit und schießt seinen Vorsatz in den Wind. Wir haben uns für Letzteres entschieden.

Vorsatz Nr. 5: Für unsere Kinder machen wir uns nicht zum Affen.

Um ehrlich zu sein stammt dieser Vorsatz noch aus meiner eigenen Pubertät. Vor dem Kind auf und ab hüpfen und dabei Tiere imitieren? Schief Kinderlieder mitsingen, deren Text man nicht so genau kann? Uff. Lieber nicht. Die Realität: Wir haben uns für unsere Kinder nicht bloß zum Affen gemacht, sondern auch zum Hund, zum Löwen, zur Katze, zum Schwan, zum Elefanten und zu allen anderen möglichen Tieren, die unser Kleiner von uns vorgemacht bekommen wollte. Es stellte sich heraus, dass es für uns fast nichts Schöneres gibt, wenn unser Baby vor Lachen quietscht und sich fast einnässt (womöglich tut es das sogar in dem Moment). Wenn Mami und Papi Quatsch machen, scheint das für Babys ein absolutes Highlight sein. Dann denken wir uns „Gut, dass uns jetzt keiner sieht!“ und imitieren Tiere und singen Kinderlieder mit, deren Text wir nicht so genau können.

Vorsatz Nr. 6: Unsere Kinder dürften nicht ans Tablet oder ans Smartphone! Nie!

Diesen Vorsatz fassen sich fast alle werdenden Eltern, die wir kennen. Festentschlossen schwören sie sich, dass das eigene Kind nur Bücher ansehen und vielleicht irgendwann mal Hörbücher und Kinderlieder hören darf. Smartphone? Nein. Tablets? Auf keinen Fall. Auch wir haben uns lange geschworen, dass unsere Kinder mit diesen Geräten erst einmal gar nicht erst in Berührung kommen sollten. Bis wir eines Tages im Stau standen. Unser Kind, damals keine zwei Jahre alt, brüllte wie am Spieß und hatte keine Lust mehr auf das Autofahren. Er war nicht hungrig, nicht müde und das Buch, das ich ihm vorlesen wollte, empfand er offenbar als Zumutung. Wir hatten noch eine lange Strecke vor uns und es war kein Ende des Staus in Sicht. Mein Mann war irgendwann genervt. „Zeig ihm doch einfach das Video, das du gestern von ihm gemacht hast“, schlug er vor. Etwas zögerlich zückte ich mein Handy, schaltete das Video an und zeigte es unserem Sohn. Er war schlagartig ruhig. Wie gebannt starrte er auf das Display und fing an zu lachen.

Ich kann nicht sagen, dass ich stolz darauf war, aber in diesem Moment war es für uns eine gute Lösung. Sie sind eben Fluch und Segen zugleich, diese Geräte. Inzwischen haben wir für uns beschlossen, dass es Situationen gibt, in denen ein iPad für unser Kind ein echter Segen sein kann. Zum Beispiel beim Haareschneiden, beim Inhalieren, wenn das Kind mal krank ist und Ablenkung braucht und während langer Autofahrten. Und wenn meine Nerven ausnahmsweise mal ganz blank liegen. So wie neulich, als unser Zweijähriger mit seinem besten Freund seinen Töpfcheninhalt im Badezimmer verteilt hat und unsere Einjährige durch die Schweinerei durchgekrabbelt ist. Da war ich von Herzen dankbar, dass „Shaun das Schaf“ von unserem iPad aus die beiden Jungs für fünfzehn Minuten babysittete, während ich (heimlich) eine Tafel Schokolade gegessen, die Kleine umgezogen und das Putzzeug herausgesucht habe. In der Reihenfolge.

Was unsere Kinder dann sehen oder spielen dürfen, suchen wir gezielt aus. Es gibt Apps mit Puzzlen oder Videos mit Kinderliedern, die wir in Ordnung finden. Natürlich ist es uns auch wichtig, dass unsere Kinder mit sinnvollen Spielsachen spielen und Bücher vorgelesen bekommen. Vor Eltern, die es schaffen, ihre Kinder ganz ohne Smartphones und Co. aufzuziehen, ziehe ich den Hut. Wir haben jedenfalls diesen Vorsatz in den Wind geschossen und eine Lösung gefunden, mit der wir gut leben können (und unser Sohn freut sich immer wie Bolle, wenn er mal inhalieren muss).

FAZIT: So ist das eben mit den Vorsätzen. Es ist gut, welche zu haben und sich Gedanken zu machen. Wie ihr seht, haben wir in vielen Fällen unsere Meinung geändert und halten es inzwischen ganz anders. Wie sagt der Volksmund so schön: "Da steckt man nicht drin." Und wenn man dann mal drinsteckt, kann man es ja nochmal überdenken. So ist das auch oder vor allem beim Aufziehen von Kindern.

Welchen Vorsatz habt ihr aufgegeben, als euer Kind dann erst einmal da war?